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RASGUEO Flamenco = Freiheit


19.03.2015 | Jazzthing, Ausgabe 108, Text von Uli Lemke


Flamenco und Trompete? Dem Jazzfan fallen da mit Sicherheit zuerst „Sketches Of Spain“ ein oder „Kind Of Blue“ von Miles Davis. Nikos Tsiachris hat diese Klassiker eine Zeit lang nahezu täglich gehört hat.

In Thessaloniki hat er klassische Gitarre studiert, dann zog es ihn nach Spanien. In Granada, Sevilla und Nerja verschrieb er sich dem Flamenco, lernte unter anderem bei Rafael Santiago Habichuela und Emilio Maya.

„Es sind viele Sachen!“, sagt er auf die Frage, was ihm die Musik Andalusiens bedeutet. „Es ist die Befreiung von Noten, der Klang, selbst die Haltung der Gitarre, die Improvisation, die Kombination aus Musik und Bewegung. Wenn ich alles, was mir an der Flamenco-Gitarre so sehr gefällt, in einem Wort zusammenfassen sollte, dann wäre dies: Freiheit.“

Seit zehn Jahren lebt Tsiachris in Berlin. Dort gründete er 2012 sein Quartett Rasgueo, dessen Debüt „Waterfall“ (Galileo/Galileo) soeben erschienen ist. Zunächst trat der Gitarrist im Duo mit dem Bassisten Martin Lillich auf; durch ihn lernte er den Trompeter Martin Auer kennen und mit Diego Piñera schließlich holte er sich einen subtilen und zugleich kraftvollen Rhythmiker ins Team. Die Trompete Auers klingt in den Kompositionen des Bandleaders eher raubeinig und randvoll mit Duende als nach dem feingliedrig getragenen Ton von Miles, und das kommt nicht von ungefähr:

„Die Idee war, dass die Trompete den Flamenco-Gesang zum Teil ersetzen könnte“, erklärt der Frontmann, zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich bin wirklich sehr glücklich mit der Zusammenarbeit der Bandmitglieder. Jeder spielt sein eigenes Teil perfekt, wir ergänzen uns gegenseitig, und alle vier wir sind Protagonisten! In der dreijährigen Existenz des Quartetts sind wir uns musikalisch näher gekommen und einige Stücke sind die Früchte unserer kollektiven Arbeit.“



Gedanken mit musikalischem Widerhall


Flamenco-Jazz mit „Rasgueo“ bietet neue musikalische Ausblicke -
Unterschiedliche Musikstille gelungen vermischt


05.02.2015 | k1-Traunreut, Text von Kirsten Benekam


Traunreut. An dem Versuch, verschiedene Musikstile miteinander zu vermischen, sie so zu arrangieren, dass ein attraktives Hörerlebnis entsteht, ist so manche passionierte Musikerformation gescheitert. Man nimmt dem einen Stil ein unverzichtbares, ihn auszeichnendes Element weg und fügt einem anderen Musikgenre etwas hinzu, das wie ein akustischer Auswuchs unseren Hörnerv drangsaliert. Alles Geschmackssache? Wie das aber gelingen kann und zudem ein Hörerlebnis höchsten Genusses ensteht, das zeigte die Formation Rasgueo den k-1 – Studiobesuchern, welche gemütlich an Tischen sitzend mitgroovten.

Das aus Berlin stammende Quartett um Bandleader und Flamencogitarrist Nikos Tsiachris fusionierte auf geniale Weise Jazz mit Flamencoelementen. Ebenso harmonisch wie der enstehende Sound ist das Zusammenspiel von Henning Sieverts am Kontrabass, Diego Piñera am Schlagzeug, Martin Auer an Trompete und Flügelhorn unter Bandleader Nikos Tsiachris an der Flamencogitarre. Tsiachris ist zugleich Komponist aller gehörten Stücke. Mit der Nummer „Feiertag“ war das Publikum sofort im Flamenco-Jazz-Boot und schipperte mit zu den dargebotenen Rhythmen. Mal leise, verträumt, dann wieder aufbrausend tempohaft und nie langweilig, erzeugt die Musik Bilder in den Köpfen der Zuhörer, die perfekt zu den ausgefallenen Musiktiteln passen, gleich Gedanken mit musikalischem Widerhall. Ähnlich der Wechselhaftigkeit der Emotionen zwischenmenschlicher Beziehungen spiegelten die Nummern „Dreieck“ und „Erlösung“ musikalisch die Gefühlswelt wider. Inspiration für „Parinis“ und „Echo“ waren die Beziehungen zu Bruder und Großmutter, welche hörbar vielschichtig, zuweilen spannungsgeladen und dann wieder liebevoll verspielt anmuteten. Großmutter und Bruder Tsiachris hatten, wenn man Rückschluss auf ihr musikalisches Portrait ziehen darf, wirklich Format. Großen inspirativen Einfluss scheint der Komponist auch aus der Griechischen Inselwelt zu ziehen, wie er selbst erzählte.

In den Nummern „Waterfall“ und „Arion“ erinnerten Trommelgeräusche und Gitarrenakkorde an Meeresrauschen und Inselromantik. Viel zu schnell war der Jazzausflug mit Flamencotouch bei seiner letzten Nummer angelangt. Nach einer Zugabe verabschiedete sich das Publikum mit begeistertem Applaus und nahm all die schönen Töne und Bilder mit auf den Nachhauseweg.


Rasgueo, Uncle Takis - Traunreut, 04.02.15




20.03.2015 | Veröffentlichung des Albums "Waterfall"



Sie können die CD per email bestellen: nitsiachris@rasgueo.de
Preis: 15,- (zzgl. 2,- Versand in Deutschland)

Hörbeispiele

Feiertag / Live on 21.08.14 in Augustinum-Kleinmachnow.


© 2012 by Nikos Tsiachris |
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